

Strompreise sind das Ergebnis vieler ineinandergreifender Faktoren – und oft schwer nachvollziehbar. Mit dieser Blogserie möchten wir zentrale Zusammenhänge rund um die Strompreisbildung verständlich einordnen und Hintergründe erklären. Den Auftakt macht ein Blick auf die Bestandteile des Strompreises. In den folgenden Beiträgen gehen wir unter anderem darauf ein, warum sich Strompreise bewegen und welche Rolle Märkte, Netze und politische Entscheidungen spielen.
Bestandteile des Strompreises - Eine einfache Erklärung
Jeden Tag fließt Strom ganz selbstverständlich durch unser Zuhause: Das Licht geht an, die Kaffeemaschine läuft, das Handy lädt. Erst wenn die Jahresrechnung für den Strom ins Haus kommt, stellt sich die Frage, wie sich der Preis zusammensetzt, den Haushalte für eine Kilowattstunde zahlen.
Schnell zeigt sich: Der Strompreis ist kein einzelner Wert, sondern er ist das Ergebnis vieler ineinandergreifender Faktoren, die im Hintergrund wirken.

Kosten für die Strombeschaffung
Für Haushaltskunden lag der durchschnittliche Strompreis 2025 bei 39,6 Cent pro Kilowattstunde. Was die Energieversorger ihren Kundinnen und Kunden für Beschaffung und Vertrieb des Stroms in Rechnung stellen, macht nur einen Teil dieses Preises aus – weniger, als viele vermuten. Lediglich 40 Prozent des Strompreises entfallen im Schnitt darauf, im Jahr 2025 waren es genau 40,4 Prozent.
Dieser Teil des Strompreises umfasst, was Versorger an den Energiemärkten zahlen und welche Dienstleistungen sie für ihre Kundinnen und Kunden erbringen. Die Beschaffungspreise für Strom schwanken an den Märkten permanent, sie reagieren auf kurz- und mittelfristige Entwicklungen wie etwa die Verfügbarkeit von Strom aus Wind- und Sonnenkraft oder durch weltpolitisches Geschehen. Um diese Preissprünge auszugleichen, kaufen Versorger ihre Energie in der Regel langfristig und in Teilmengen ein – eine Strategie, die Preisspitzen abfedert und den Preis für einen längeren Zeitraum festlegt.
Netzentgelte: Kosten für den Strom- und Gastransport
Im Schnitt entfallen knapp 30 Prozent des Strompreises auf die Netzentgelte, 2025 waren es genau 27,6 Prozent. Diese Entgelte bilden die Kosten für den Transport des Stroms ab. Netzentgelte finanzieren somit den Betrieb, den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze – von der Übertragungsnetzebene bis zu den lokalen Verteilnetzen.
Der Bedarf dafür wächst derzeit schnell: Netzbetreiber schließen jedes Jahr Hunderttausende neue Wärmepumpen, Ladepunkte für Elektrofahrzeuge, Photovoltaikanlagen oder Rechenzentren an. Diese Entwicklungen sind zentrale Bausteine der Energiewende und zum Erreichen der Klimaziele – erfordern aber Investitionen in die Netzinfrastruktur.
Deshalb steigen die Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen wie etwa den Einsatz von Reservekraftwerken oder das Engpassmanagement, das laut Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vorgeschrieben ist. In den einzelnen Netzgebieten fallen die Netzentgelte je nach Ausbaugrad der erneuerbaren Energien, der Stromnachfrage vor Ort und der Transportwege regional unterschiedlich hoch aus.
Der dritte große Baustein sind staatlich veranlasste Bestandteile. Steuern, Abgaben und Umlagen machen ein knappes Drittel des Strompreises aus, im Jahr 2025 waren das 12,7 Cent pro Kilowattstunde. Dazu gehören die Stromsteuer nach dem Stromsteuergesetz, die Konzessionsabgabe an Kommunen oder die Mehrwertsteuer.
Weitere Umlagen – etwa zur Finanzierung der Kraft-Wärme-Kopplung oder zur Entlastung stromintensiver Unternehmen, um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, fließen ebenfalls ein.
Manche politischen Entscheidungen wirken direkt auf den Preis: Aktuell hat die Bundesregierung im Dezember 2025 einen Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzentgelten beschlossen, um den Kostenanstieg abzumildern. Solche Maßnahmen beeinflussen einzelne Preisbestandteile. Sie wirken deshalb regional oft unterschiedlich stark.
Der folgende Erklärfilm des BDEW gibt einen Überblick zum Bundeszuschuss:
Viele Faktoren - ein Strompreis
Zusammengenommen ergibt sich daraus ein Preis, der auf den ersten Blick komplex wirkt, sich aber klar erklären lässt. Er entsteht aus einem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage am Strommarkt, Netzausbau und politischen Entscheidungen. So wird nachvollziehbar, warum sich Strompreise verändern und welche Faktoren eine Rolle spielen.
Im nächsten Teil der Serie geht es darum, warum sich Strompreise bewegen und wie Börsen, Wetter und Erzeugung dabei zusammenspielen.
