Stromleitungen sind Teil der Infrastruktur, über die elektrische Energie im Netz verteilt wird.Stromleitungen sind Teil der Infrastruktur, über die elektrische Energie im Netz verteilt wird.

Energietrends

Warum der Strompreis schwankt – und was Angebot und Nachfrage damit zu tun haben
Februar 2026

Strompreise verändern sich teils deutlich. Je nach Tageszeit, Wetterlage und Marktsituation. In diesem Beitrag zeigen wir, warum Angebot und Nachfrage eine zentrale Rolle für die Strompreisbildung spielen und wie Faktoren wie erneuerbare Einspeisung, Verbrauchsspitzen und Marktmechanismen kurzfristige Preisschwankungen auslösen. So wird verständlich, warum sich Strompreise im Tagesverlauf oder von Tag zu Tag spürbar verändern können.

Viel Strom, niedriger Preis? 

An einem windigen Tag drehen sich die Windkraftanlagen auf Hochtouren. Viel Strom fließt ins Netz, teilweise mehr als gerade gebraucht wird. Das Stromangebot steigt und die Preise an der Strombörse sinken. Wenige Tage später sieht die Lage anders aus: kaum Wind, bedeckter Himmel. Das Angebot sinkt, die Nachfrage bleibt. Der Börsenstrompreis steigt.

Wie Angebot und Nachfrage den Strompreis an der Börse bestimmen 

Energiedienstleister kaufen den Strom für ihre Kunden an der Strombörse ein. Der Preis an der Strombörse entsteht nach einem grundlegenden Marktprinzip: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Ist viel Strom verfügbar, sinkt der Preis. Wird Strom knapp, steigt er. Das gilt für viele Güter, aber beim Strom gibt es eine Besonderheit: Er lässt sich bislang nur begrenzt und nicht in großen, volkswirtschaftlich relevanten Mengen speichern. Er muss genau in dem Moment erzeugt werden, in dem er verbraucht wird. Aber Angebot und Nachfrage passen nicht immer zusammen. Das macht den Strommarkt besonders sensibel für kurzfristige Veränderungen.

Schon kleine Verschiebungen können spürbare Effekte haben – etwa, wenn an einem kalten Winterabend viele Haushalte gleichzeitig Strom nutzen. Oder wenn große Industrieanlagen ihren Bedarf erhöhen.

Windkraftanlagen in einer grünen Landschaft erzeugen Strom aus Windenergie.
Windkraftanlagen produzieren erneuerbaren Strom aus Wind und tragen zur Stromversorgung bei.

 
Warum Sonne und Wind den Strompreis schwanken lassen

Eine zentrale Rolle spielt das Wetter. Wind- und Solaranlagen erzeugen Strom, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Nicht unbedingt dann, wenn der Verbrauch am höchsten ist. An sehr wind- oder sonnenreichen Tagen kann das Angebot so groß sein, dass die Preise stark sinken. In Einzelfällen gibt es sogar mehr Strom als gebraucht wird. Die Netzfrequenz im Stromnetz muss aber im Gleichgewicht bleiben. Deshalb bezahlen die Erzeuger dafür, dass ihnen jemand zu diesem Zeitpunkt den Strom abnimmt. Dadurch rutschen die Preise an der Börse an manchen Tagen kurzzeitig unter null Euro. Es entstehen sogenannte Negativpreise. Bei Privathaushalten machen sich die negativen Strompreise nicht sofort bemerkbar, da sie in der Regel einen Stromtarif mit festen Preisen haben.

Warum die Gaspreise den Strompreis beeinflussen

Es gibt aber auch Zeiten, an denen über mehrere Tage wenig Strom aus Wind und Sonne verfügbar ist. Das nennt man Dunkelflauten. Für diesen Fall haben Energieerzeuger vorgesorgt: Fossile Kraftwerke springen dann ein, um die Versorgung sicherzustellen. Sie lassen sich vergleichsweise flexibel steuern und können kurzfristig Strom liefern, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichen. Das erklärt, warum fossile Kraftwerke nach wie vor wichtig für die Versorgungssicherheit in Deutschland sind.

An der Strombörse gilt dabei das sogenannte Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke mit niedrigen Erzeugungskosten speisen zuerst Strom ins Netz, teurere Anlagen folgen nur, wenn der Bedarf größer ist. Reichen erneuerbare Energien nicht aus, kommen unter anderem Gaskraftwerke zum Einsatz. Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, bestimmt den Preis an der Strombörse. Steigen die Gaspreise, verteuert sich damit auch die Stromerzeugung aus Gas – und der Strompreis insgesamt. Dieser Zusammenhang erklärt, warum die stark gestiegenen Gaspreise während der Energiekrise ab 2022 auch zu höheren Strompreisen geführt haben.

Wie sich diese Preislogik konkret am Strommarkt auswirkt, lässt sich in der folgenden Grafik veranschaulichen. Sie zeigt vereinfacht, in welcher Reihenfolge unterschiedliche Kraftwerke zum Einsatz kommen und warum am Ende oft Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen, wenn die Nachfrage hoch ist oder erneuerbare Energien nicht ausreichen.

Infografik zum Merit-Order-Prinzip: Günstige Kraftwerke speisen zuerst Strom ein, der Strompreis entsteht bei der teuersten noch benötigten Erzeugungsart.
*Der Strompreis entsteht dort, wo das verfügbare Angebot die aktuelle Nachfrage deckt. Häufig sind es Gaskraftwerke, die diesen Preis bestimmen, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichen. Auch wenn in Deutschland aktuell kein Strom aus Kernenergie erzeugt wird, bleibt das Merit-Order-Prinzip als Mechanismus der Preisbildung unverändert bestehen.

Kraftwerke, Netze und Verfügbarkeit

Neben dem Wetter und den Brennstoffpreisen wie Gas oder Kohle gibt es zwei weitere Aspekte, die den Strompreis an der Börse beeinflussen.

1. Wie viele Kraftwerke gerade verfügbar sind:

Wenn Kraftwerke wegen Wartung oder wegen einer Störung ausfallen, gibt es weniger Strom im Angebot. Das kann dazu führen, dass der Preis steigt.

2. Ob der Strom problemlos durchs Netz transportiert werden kann:

Strom muss immer genau zum richtigen Zeitpunkt an dem Ort ankommen, wo er gebraucht wird. Dafür sorgt das Stromnetz. Wenn diese Leitungen an ihre Grenzen kommen, entsteht ein Engpass. Das ist beispielsweise der Fall, wenn in einer Region sehr viel Wind- oder Sonnenstrom produziert wird, aber die Kapazitäten der Leitungen zum Transport in andere Regionen, wo der Strom gebraucht wird, nicht ausreichen. Damit das Netz stabil bleibt, müssen die Netzbetreiber eingreifen und regulieren. Sie lassen zum Beispiel ein Kraftwerk an einer anderen Stelle weniger produzieren oder drosseln Windräder. Diese Eingriffe nennt man Ausgleichsmaßnahmen. Sie kosten Geld, weil Anlagenbetreiber für das Abschalten ihrer Anlagen entschädigt werden und zusätzlicher Aufwand entsteht.

Kurzfristig vs. langfristig: zwei Ebenen der Strompreisbildung

Für den Stromhandel gibt es zwei Arten von Strommärkten: Den Spotmarkt und den Terminmarkt.

·       Am Spotmarkt kann Strom zu tagesaktuellen Börsenpreisen eingekauft werden, dort schlagen kurzfristige Veränderungen durch Wetter, Nachfrage oder Brennstoffkosten direkt durch.

·       Der Preis am Terminmarkt orientiert sich dagegen an Erwartungen zur künftigen Entwicklung. Das bietet Energiedienstleistern die Möglichkeit, Strom für einen langfristigen Zeitraum zu beschaffen und ihre Kunden zu stabilen Preisen zu versorgen.

Einfluss des europäischen Strommarkts auf die Strompreise

Deutschland ist eng mit den Strommärkten der Nachbarländer verbunden. Strom fließt dorthin, wo er gerade benötigt wird. Diese Vernetzung erhöht die Versorgungssicherheit, bedeutet aber auch: Hohe Nachfrage oder geringe Erzeugung in anderen Ländern können sich auf die Preise hierzulande auswirken.

Strompreise bewegen sich also nicht zufällig. Sie reagieren auf Wetter, Verbrauch, Kraftwerkseinsatz, Brennstoffpreise und den europäischen Austausch. Das erklärt, warum die Strompreise starken Schwankungen unterliegen.

Im nächsten Teil der Serie erklären wir, warum Haushalte nicht mit täglich wechselnden Strompreisen konfrontiert sind und wie Energieversorger an den Strommärkten einkaufen.